“Imago” von Ulrich Hub

 

Produktion theater.direkt | Regie Michael Kolnberger | Ausstattung Arthur Zgubic | Spiel Elisabeth Nelhiebel und Jurij Diez

Termine 11., 18., 27. November 2014  // 3., 10. Dezember 2014, jeweils 20.00 Uhr im kleinen theater.haus der freien szene, Salzburg

copyright: Piet Six

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Kritiken zur Premiere am 11. November 2014

„Imago“ heißt das Zweipersonenstück von Ulrich Hub, das Michael Kolnberger im Kleinen Theater inszeniert hat. Elisabeth Nelhiebel und Jurij Diez spielen den „Liebesk(r)ampf“ gleichermaßen mit Dampf und Disziplin. Sie gehen auf in ihren Rollen(spielen): Respekt vor so viel Einsatz. Das Publikum erlebt Wechselbäder mit viel Emotion und Alkohol und kleinen Exzessen. (SN vom 14.11.2014, Karl Harb)

Elisabeth Nelhiebel und Jurij Diez gelingt es durch ihr intensives Spiel, eine dichte, fast beängstigende Atmosphäre zu
schaffen, in der alles möglich erscheint. Die Mischung aus sexueller Obsession, Angst und Einsamkeit erzeugt Spannung,
aber auch Verunsicherung. Ist sie wirklich nur eine gute Freundin der Ehefrau oder handelt es sich um eine geschickt
getarnte Paartherapie? Michael Kolnberger, Spezialist für anspruchsvolle Stücke, schafft es mit dieser kraftvollen, erschreckend realistischen Inszenierung, das Publikum in seinen Bann zu ziehen, aufzurütteln und zu verunsichern. Die kleinen, sehr unterschiedlichen Szenen des Dramas wird wohl jeder anders zusammensetzen und interpretieren. Eine eindeutige Lösung soll und wird es nicht geben. Spannende, fesselnde 75 Minuten sind garantiert. (dorfzeitung vom 13.11.2014, Elisabeth Pichler)

Du sollst dir kein Bildnis machen: Gar nicht so einfach, wenn die Hauptperson nie auftritt; wenn zwei Akteure immer von ihr reden, wenn Fotos von ihr präsent, aber nicht zu sehen sind; wenn sich der ganze Theaterabend um die Beziehungen einer Abwesenden zu den auftretenden Personen dreht. Gibt es diese abwesende Figur überhaupt? Haben die beiden anderen sie erfunden, als Spiel, das langsam außer Kontrolle gerät? Ulrich Hub, Jahrgang 1963, hat einen Reigen von Anziehung und Blockade, von Frustrationen und indirekter Kommunikation geschrieben, bei dem Rachsucht ausgeprägter scheint als erotische Anziehung. Aus der indirekten Erzählweise zieht das Beziehungsdrama seine Spannung, wird zum sprachlichen Vexierspiel, erlaubt sich gelegentliche Irritationen und bietet Zuschauern wie Paartherapeuten intelligente Unterhaltung.(drehpunktkultur vom 12.11.2014, Reinhard Kriechbaum)

 

Zum Stück

ER und SIE treffen sich an fünf Abenden in seiner Küche. ER scheint Hausmann zu sein, Schriftsteller, oben schläft sein Kind, die einzige Person, die in diesem Stück einen Namen trägt und damit eine klare Identität hat. SIE ist angeblich die Freundin der Ehefrau. Das Verhältnis zwischen ER und SIE oszilliert: ein ironisches Gespräch zum Auftakt, als nähme man Maß; zwischen Annäherung und Distanz ist Ironie Trumpf. Dann muss ER nach dem Kind sehen, und SIE entdeckt Fotos, die ER von seiner Frau heimlich aufgenommen hat: Bilder, wie sie ihn betrügt. Angeblich. Es wird erwähnt, sie sei kaum zu erkennen. Beim nächsten Treffen ist klar: ER hat mit seiner Frau weder über ihre außerehelichen Aktivitäten noch über die Bilder gesprochen. SIE auch nicht.

Im dritten Akt, Halbzeit, berichtet ER von einem großen Streit. Seine Frau habe herausgefunden, dass er von ihren Eskapaden weiß: «Es ist alles aus» – die Freundschaft zwischen den Frauen eingeschlossen. Die Frau fühle sich von ihrer Freundin verraten, sagt ER. Beim nächsten Gespräch heißt es, das Paar habe sich versöhnt. Obwohl also alles gut sein müsste, vergreift ER sich an der Besucherin. Später, beim fünften und letzten Besuch, wird SIE den Übergriff herunterspielen, behaupten, sie habe eine Annäherung geplant, dann aber Angst bekommen. Einschleichen hat sie sich müssen, sie ist nicht mehr gern gesehen in diesem Haus. SIE behauptet, die Ehefrau sei bei ihr zu Hause, lebensgefährlich verletzt. Kann SIE so kaltblütig sein, unter diesen Umständen den Gatten in der Küche verführen zu wollen, oder ist der Bruch mit der Realität nicht längst conditio sine qua non? Nach all den Beziehungsscherben geht nun wirklich Glas zu Bruch, und später steht das Kind im Schlafanzug in der Tür. SIE stürzt sich auf die Kleine und bringt sie zurück ins Bett: Damit hat sie ihre Position in diesem Haushalt zumindest für den Moment enthüllt – oder zurückerobert?
(Quelle: Susanne Finken / Theaterheute / Seite 41 / Oktober 2004)

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